ARTENSCHUTZ

VIELE HEIMISCHE TIER- UND PFLANZENARTEN SIND IN IHREM BESTAND GEFÄHRDET.
WIR TREFFEN MASSNAHMEN ZUR ERHALTUNG

Die ersten Edelkrebse werden in dem Gewässer bei Weener besetzt (Foto: Henning Stilke)

LFV Weser-Ems startet Projekt zur Wiederansiedlung des Edelkrebses

Der Edelkrebs soll in den Gewässern Nordwestniedersachsens wieder heimisch werden. Den Anfang machten 174 Edelkrebse, die in einer Teichanlage in Weener, Ortsteil Diele nahe der Ems, ausgesetzt wurden. Für das Projekt zeichnet der Sportfischerverband im Landesfischereiverband Weser-Ems e. V. verantwortlich. Zu den Tierschutzprojekten der anerkannten Naturschutzvereinigung gehören schließlich nicht nur der Erhalt und die Wiederansiedlung von gefährdeten Fischarten, sondern ebenso der Einsatz für andere Tierarten in und an den heimischen Gewässern. Und dazu zählt auch der Edelkrebs, der noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts nahezu alle größeren Bäche und Flüsse im Weser-Ems-Gebiet besiedelte und dabei eine wichtige Aufgabe beim Erhalt des ökologischen Gleichgewichts der Gewässer übernahm.

Mit dem Auftreten der Krebspest in Mitteleuropa kam es jedoch zum Massensterben der Edelkrebse. In dem Zuge wurden auch die Bestände in Niedersachsen weitgehend ausgelöscht. Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass sich eine Population von Edelkrebsen aus dem Emsgebiet in einem geschlossenen Gewässer in der Nähe der Stadt Hamm, Nordrhein-Westfalen, bis heute erhalten konnte. Von genau diesem Stamm von Edelkrebsen konnten die 174 Exemplare entnommen werden, um ihnen in der Teichanlage nahe der Ems eine neue Heimat zu geben. Beim Fang der Krebse waren Siegfried Kuss und Wilfried Schmidt vom SFV Hamm behilflich. Begleitet wurde die Aktion vom Carsten Burk vom Biologiebüro Burk.

Dass für den Anfang des Wiederansiedlungsprojektes die Teichanlage in Weener ausgewählt wurde, ist kein Zufall. Denn für den Beginn der Maßnahme ist ein isoliertes, unbelastetes und nährstoffarmes Gewässer von großer Bedeutung. Wichtig für die Wahl des Gewässers ist außerdem, dass es frei ist von anderen Krebsarten, die als Überträger der Krebspest eine Gefahr darstellen könnten. Nach genauer Untersuchung der Teichanlage und umliegender Gewässer kann das Vorkommen anderer Krebsarten ausgeschlossen werden. Dem Erhalt der seltenen Wasserbewohner kommt es dabei entgegen, dass die Umzäunung der Anlage einen Schutz vor Unbefugten bildet.

Für den Standort Weener spricht schließlich der Umstand, dass die vorhandenen Gebäude auf dem Gelände die idealen Möglichkeiten zur Unterbringung eines Labors mit dem dazugehörigen Equipment bieten. Die Gebäude sind auch für die zeitweise Unterbringung von wissenschaftlichen Mitarbeitern geeignet, die damit das Wiederansiedlungsprojekt mit den erforderlichen Untersuchungen ohne Unterbrechungen begleiten können. Der Standort Weener erfüllt somit nicht nur die Lebensraumansprüche des Edelkrebses, er bietet auch die Möglichkeit, eine gezielte Nachzucht und Forschung zu betreiben.

Der Präsident des Sportfischerverbandes Weser-Ems, Bernhard Pieper, hat es sich nicht nehmen lassen, bei Aussetzen der ersten Edelkrebse persönlich dabei zu sein. Er ist davon überzeugt, den optimalen Standort für die Rückkehr des Krebses gefunden zu haben:

„Für uns ist es ein Glücksfall, in Weener ein ideales Gelände gefunden zu haben, auf dem wir den Edelkrebs wieder ansiedeln können. Besonders erfreulich ist dabei, dass der Eigentümer, Wilhelm Schulte, das Grundstück in einer lobenswerten Kooperation kostenlos zur Verfügung gestellt hat.“

Auch von Seiten des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde das Projekt ausgesprochen positiv aufgenommen. In einer Stellungnahme heißt es: „Aus hiesiger Sicht würde es sehr begrüßt, wenn der Landesfischereiverband Weser-Ems e.V. ein Artenschutzprogramm für Edelkrebse an dem Teich in Diele etablieren würde, da es in der gesamten Region keine Edelkrebsbestände mehr gibt.“

Das längerfristige Ziel des Edelkrebsprojektes besteht nicht nur darin, die ausgestorbene Art in der ausgewählten Teichanlage wieder heimisch zu machen. Bei erfolgreichem Verlauf der Wiederansiedlung soll die Krebspopulation am Standort in Weener als Spenderpopulation für die Begründung neuer Edelkrebsbestände in weiteren potenziell geeigneten Gewässer in Niedersachsen dienen. Dadurch könnte ein wesentlicher Beitrag zum Artenschutz und zur Sicherung der biologischen Vielfalt geleistet werden.

Auch der hauptamtliche Biologe des Landesfischereiverbandes Weser-Ems, Dr. Jens Salva, der sich lange für die Umsetzung des Projektes eingesetzt hat, zeigt sich optimistisch angesichts der Ankunft der Edelkrebse: „Dieses Projekt bietet eine einmalige Chance, eine in weiten Teilen Niedersachsen ausgestorbene Art wieder in ausgewählten Gewässern anzusiedeln.“

Hintergrund

Der Edelkrebs oder Europäische Flusskrebs (Astacus astacus) ist der größte unter den in Europa heimischen Krebsarten und bevölkerte bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch nahezu alle größeren Bäche und Flüsse in Weser-Ems. Er kann 15 bis 20 Jahre alt werden und erreicht Längen von bis zu 20 Zentimeter.

Infolge der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa auftretenden Krebspest (Erreger ist der Eipilz Aphanomyces astaci) kam es schnell zu einem fortschreitenden Massensterben des Edelkrebses, das zur weitgehenden Ausrottung der Art in weiten Teilen Europas führte. In Mitteleuropa lebt der Edelkrebs heute nur noch in einzelnen Inselbiotopen.

Die Krebspest ist unheilbar und endet mit dem Tod der infizierten Edelkrebse. Zur Ausbreitung der Krebspest in Europa haben maßgeblich Besatzmaßnahmen mit amerikanischen Krebsen beigetragen. Die amerikanischen Flusskrebse sind Überträger der Krebspest. Sie selbst erkranken jedoch nicht daran.

Flusskrebse sind ein bedeutender Bestandteil des Ökosystems. Sie sorgen für ein stabiles Gleichgewicht in den Gewässern. Süßwasserkrebse ernähren sich überwiegend von Pflanzen oder abgestorbenem organischem Material wie z.B. Laub, nehmen aber ebenfalls gerne Insekten, Schnecken oder tote Fische auf, und spielen damit eine wichtige Rolle bei der Gewässerreinigung. Sie selbst werden von Fischen, vor allem Raubfischen, und Wasservögeln gefressen.

In den letzten Jahrzehnten gibt es in verschiedenen Bundesländern und auch in europäischen Nachbarstaaten zunehmend Artenschutzprojekte die auf die Erhaltung der Art durch eine Wiederbesiedlung geeigneter Gewässer abzielen.

 

 

Besatz von Edelkrebsen bei Weener 2017

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Lachsbesatz für die Ems am Listruper Wehr (Foto: Henning Stilke)

Lachsbesatz an der Ems 2017

Am 10. April lieferte das Danmarks Center for Vildlaks Junglachse für den Besatz an der Ems. 11.000 einsömmrige Lachse wurden von Dänemark an die Ems transportiert. Die Junglachse des Jahrgangs 2016 kamen in zwei Größen, als größere Smolts, die noch im Laufe dieses Jahres ins Meer abwandern werden und als kleinere Vertreter desselben Jahrgangs, die sich noch bis zum nächsten Jahr im Süßwasser aufhalten werden, ehe sie ebenfalls Richtung Nordsee abwandern.

Die Lachslieferung wurde von der Besatz- und Befischungsgemeinschaft der Vereine FV 1888 Lingen/Ems, SFV Salzbergen, SAV Emsland/Rheine und SFV Floßweg Gronau organisiert und finanziert. Das Besatzprojekt wird vom Landesfischereiverband Weser-Ems finanziell mitgetragen.

Die Junglachse wurden an verschiedenen Stellen der Ems und ihrer Nebengewässer eingesetzt, im Bereich des Listruper Wehres in Emsbüren, bei der Lachstreppe Hanekenfähr an der Ems sowie in den Elsbach bei Salzbergen und den Mühlenbach in Lingen.

Bei den Fischen handelt es sich genetisch um Lachse des Skjernsystems in Dänemark, die sich aufgrund der Bedingungen in ihren skandinavischen Heimatgewässern besonders gut als Besatz für die Niederungsgewässer in Nordwestniedersachsen eignen.

Mit dem bereits 1978 begonnenen Wiedereinbürgerungsprojekt Obere Ems gehören die Maßnahmen an der Ems zu den ältesten Lachsprojekten in Deutschland. In den 1970er Jahren war Günter Brüning, der frühere Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Weser-Ems, der mutige Vorreiter für die Wiedereinbürgerung des Lachses und der Meerforelle. Heute wird das Lachsprojekt gemeinsam vom LFV Weser-Ems mit seinen Mitgliedsvereinen, der Besatzgemeinschaft Ems I sowie dem Bezirksfischereiverband Emsland getragen.

Die Wahl der Ems als eines der ersten Gewässer für die Wiederansiedlung des Lachses liegt darin begründet, dass der Fluss in der Vergangenheit ein bedeutender Lachsfluss gewesen ist. Ende des 19. Jahrhunderts wurden für den Bereich bei Rheine Laichplätze des Lachses im Hauptstrom beschrieben. Bei Rheine durchbricht die Ems eine hohe Moränenkette und erlangt dadurch ein recht starkes Gefälle.

Ursprünglich wurden für die Ems Eier von Lachsen aus dem norwegischen Namsen erbrütet. Aufgrund von Fischkrankheiten wechselte man zunächst auf Lachse schottischer und anschließend irischer Herkunft. Wegen ausbleibender Erfolge ging man 2001 zu Lachsen aus Schweden über. Seit 12 Jahren wird nur noch mit Lachsen aus dem Gewässersystem der dänischen Skjern Au gearbeitet. Diese Lachse steigen aus der Nordsee zum Laichen in ihre Heimatflüsse auf, so wie man es sich auch von den Lachsen für die Ems erhofft.

Im Jahr 2005 hat man sich entschieden, von Lachseiern/Brütlingen auf Smoltbesatz umzustellen. Die etwa ein Jahr alten Smolts bieten den Vorteil, dass bei ihnen mit einer höheren Quote an Wiederkehrern gerechnet werden darf.

Zu dem Projekt gehört selbstverständlich nicht nur der Besatz, sondern auch die Verbesserung der Lebensbedingungen für die Lachse. So werden seit Beginn der Besatzmaßnahmen potenzielle Laichplätze geschaffen und es wird seitdem für die Durchlässigkeit der Gewässer zu den Laichplätzen gekämpft. Schließlich hat das Projekt auch gerade in Hinblick auf die Verbesserung der linearen Durchgängigkeit eine hohe Bedeutung. Das Lachsprojekt an der Ems war und ist ein wichtiges Argument gegen die Errichtung weiterer Wasserkraftanlagen an den Emswehren.

Ein sicherer Nachweis der natürlichen Reproduktion des Lachses im Oberlauf der Ems steht bislang noch aus. Gelegentliche zufällige Fänge von Lachsen und Meerforellen zeigen jedoch, dass die Bemühungen um die Wiederansiedlung der Wandersalmoniden Früchte tragen und erwachsene Tiere nach ihrem Aufenthalt im Atlantik in die Ems zurückkehren. Die Untersuchung der Smoltabwanderung und des Aufstiegs von Laichlachsen wird auch weiterhin eine wichtige Aufgabe sein, um den Erfolg der Maßnahmen beurteilen zu können.

 

 

Lachsbesatz an der Ems 2017

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Michael Kolhoff mit einem Lachs aus der Welse (Foto: Henning Stilke).

Wandersalmoniden-Minitoring 2016

Geringe Niederschlagsmengen erschwerten den Wandersalmoniden in diesem Jahr den Aufstieg. Wenig Wasser bedeutet wenig Aktivität bei den Aufsteigern. Dennoch konnten durch den Einsatz Freiwilliger aus den Vereinen FV Delmenhorst, ASV Harpstedt und FV Twistringen an den Adventswochenenden Lachse und Meerforellen in den Flüssen Welse und Delme gefangen und abgestreift werden.

Angesichts der schwierigen Verhältnisse darf man sogar sehr zufrieden sein mit den Ergebnissen. Zahlreiche Meerforellen und Lachse konnten abgestreift werden, so dass ein guter Bestand an befruchteten Eiern in das Bruthaus in Oldenburg gegeben werden konnte. Die sich daraus entwickelnden Brutfische werden im Frühjahr dazu dienen, den Bestand der Wandersalmoniden weiter zu stützen.

Die Fische wurden zum Teil direkt im Stadtgebiet von Delmenhorst gefangen. Bei den Passanten, die in der Regel davon ausgehen, dass es gar keine Fische in dem Stadtgewässer gibt, sorgt der Anblick eines stattlichen Lachses oder einer Meerforelle jedes Mal für Erstaunen und zugleich für Anerkennung für die freiwilligen Angler, die sich dafür einsetzen, dass diese bedrohten Arten in den norddeutschen Niederungsflüssen heimisch bleiben.

 

 

Wandersalmoniden-Monitoring 2016

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Claas Marquard und Sohn Patrick beim Aalbesatz für den Fischereiverein Hude (Foto: Henning Stilke)

Großeinsatz für den Aal

Die Vereine des Sportfischerverbandes Weser-Ems führten in diesem Jahr wieder einen umfangreichen Besatz ihrer Gewässer mit vorgestreckten Aalen durch. Den Ausgangspunkt der Besatzmaßnahme bildete ein Parkplatz nahe der Autobahn auf dem der LKW der Firma ALBE Fischfarm stand. Bei ihm wachte Bodo Zaudtke, der Verbandsgewässerwart, mit einer Waage darüber, dass jeder genau die Menge Aale bekommt, die er bestellt und bezahlt hat. Nach und nach trafen Mitglieder der Vereine des Sportfischerverbandes ein und holten sich hier ihre Besatzaale ab, um sie auf direktem Wege an die Gewässer zu bringen.

Wenn man bedenkt, wie viele Angler am Wochenende ehrenamtlich unterwegs waren, um sich für den bedrohten Aal einzusetzen, dann hat das schon etwas von einem Großeinsatz für den Artenschutz. Das drückt sich auch in nüchternen Zahlen aus: Unterstützt vom Verband wurden in diesem Jahr 3,3 Tonnen Jungaale an die Vereine zwischen Ems und Elbe verteilt. Dafür investierten die Vereine die stolze Summe von 195.000 Euro.

Seit fünf Jahren finden diese Maßnahmen statt, die vom Land Niedersachsen und der EU bezuschusst werden. Dass etwas für den Aal getan werden muss, hat man also auf allen Ebenen verstanden. Deshalb muss ein Großteil der Glasaale, die in Frankreich gefangen werden, zur Aufzucht und zum Besatz in Europa verteilt werden. Auch die Aale der Firma ALBE Fischfarm kommen aus Frankreich. Diese Farmaale werden auf eine Größe von 12 bis 15 Zentimeter bei einem Durchschnittsgewicht von 4 Gramm herangezogen und dann als Besatz verkauft.

Bei allem Aufwand und Engagement wird man sich aber noch einige Zeit gedulden müssen, bis man den Erfolg der Besatzmaßnahmen erkennen kann. Wissenschaftler rechnen damit, dass sich erst ab 2022 abzeichnet, dass der Besatz Auswirkungen auf den natürlichen Bestand des Aales hat. Was Wasserkraftwerke, Umweltverschmutzung und Verzehr von Glasaalen in den letzten Jahrzehnten angerichtet haben, lässt sich eben nicht so schnell rückgängig machen.

Mit dem Besatz von Aalen in Gewässer, in die sie nicht mehr natürlich aufsteigen können, signalisieren Verband und Vereine, dass der Aal auch in diese Gewässer gehörte und wieder gehört. Hoffentlich wird das an den entscheidenden Stellen richtig verstanden und führt dazu, dass dem Aal die letzten Hindernisse für seine lebensnotwendigen Wanderungen aus dem Weg geräumt werden.

 

 

Aalbesatz in Verbandsgewässern 2016

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Kiesbetten bilden die Voraussetzung für die Fortpflanzung von Wandersalmoniden im Rittrumer Mühlenbach (Foto: Jens Salva).

Neue Forschungen zu Laichhabitaten im Rittrumer Mühlenbach

Im Jahr 2013 wurde auf einer Länge von 360 Metern Kies in den Rittrumer Mühlbach nordöstlich von Großenkneten eingebracht. Im Oktober 2014 erfolgte die Fortsetzung der Revitalisierung durch die Anlage von Kiesbänken auf einer Länge von etwa 200 Metern. Damit ist der Rittrumer Mühlbach bis auf 100 Meter von der Mündung bis zum Fischaufstieg bei der Wassermühle mit Kiesbänken bestückt. Dieses umfangreiche Revitalisierungsprojekt wurde vom Sportfischerverein Huntlosen e.V. mit fachlicher Beratung durch den Landesfischereiverband Weser-Ems realisiert.

Ziel der Maßnahme war es, Laichhabitate für die Salmoniden im Rittrumer Mühlbach zu schaffen. Ob das tatsächlich gelungen ist, wird jetzt von Ole Vollmerding im Rahmen seiner Masterarbeit wissenschaftlich untersucht. Seit November 2015 führt der Biologe seine Untersuchungen durch. Die Entnahme von Proben wird er noch bis Juni dieses Jahres fortsetzen. Die Fertigstellung und Abgabe der Arbeit ist für den Herbst geplant.

Im Moment wäre es noch zu früh, Ergebnisse darüber zu formulieren, wie die Laichhabitate sich für die Fortpflanzung von Meer- und Bachforellen eignen. Im Interesse des Naturschutzes und der Angler wünscht man sich selbstverständlich einen durchschlagenden Erfolg der Laichhabitate. Es deutet sich mit den bisherigen Proben jedoch an, dass die Versandung in dem Gewässer die Qualität der Laichhabitate beeinträchtigt.

Wie auch immer das Ergebnis der Masterarbeit ausfallen wird, die Untersuchungen werden mit Sicherheit einen wichtigen Baustein für die Erkenntnisse über die Laichhabitate der Salmoniden in Nordwestdeutschland darstellen.

Über die Fortschritte der Untersuchungen halten wir Sie auf der Homepage des Verbandes auf dem Laufenden.

 

 

Lasse Rennebeck bei der Untersuchung von Laichhabitaten.

Masterarbeit über Laichhabitate von Meerforellen

Wenn Meerforellen in einem Flusssystem wieder heimisch werden sollen, ist es nicht allein damit getan, Jungfische auszusetzen und auf Wiederansiedlung zu hoffen. Die Wandersalmoniden stellen hohe Ansprüche an Gewässerqualität und Laichhabitat. Nur wenn ein Gewässer dem gerecht wird, bestehen Chancen auf eigenständige Fortpflanzung der Forellen. Wie diese Ansprüche aussehen und ob sie von einem Gewässer erfüllt werden, lässt sich nur mit exakten Untersuchungen feststellen.

Genau solche Untersuchungen hat Lasse Rennebeck aus Oldenburg für seine Masterarbeit vorgenommen, die er in Zusammenarbeit mit dem Landesfischereiverbandes Weser-Ems durchgeführt und an der Hochschule Bremen eingereicht hat. Dabei hat er exemplarisch Laichhabitate von Meerforellen in der oberen Geeste bei Bremerhaven und ihrem Nebenfluss, der Grove, untersucht. Für die Kiesbänke in den beiden Flüssen herrschen sehr unterschiedliche Bedingungen. In der Geeste handelt es sich um natürliche Kiesvorkommen, in der Grove um Kiesbetten, die im Rahmen von Renaturierungsmaßnahmen eingebracht wurden.

Zunächst stellt Lasse Rennebeck heraus, welche Eigenschaften vorauszusetzen sind, damit ein Laichhabitat intakt ist. Dazu gehört eine hohe Permeabilität des Kieslückensystems im Laichplatz, damit frisches Wasser zu den Eiern und Larven gelangen kann und sie mit Sauerstoff versorgt werden. Außerdem ist es wichtig, dass Abfälle aus dem Stoffwechsel weggespült werden. Die Lücken im Kies sind schließlich auch erforderlich, damit die geschlüpften Larven aus dem Laichplatz herausschwimmen können.

In zahlreichen Heimatgewässern der Meerforellen sind die Laichhabitate durch Gewässerausbau und –unterhaltung zerstört worden. Sie weisen nicht mehr die erforderliche Substratqualität für eine erfolgreiche Reproduktion auf. Chemische Belastungen und ein zu hoher Eintrag von Feinsedimenten beeinträchtigen die Qualität der Gewässersohle als Laichplatz. Als Hauptursache für den Sedimenteintrag in Fließgewässer wird die Oberflächenerosion von landwirtschaftlichen Flächen gesehen.

Für Geeste und Grove beschreibt Lasse Rennebeck unterschiedliche Situationen bei den Kiesbänken, was er auf die Unterschiede des Umlands der Gewässer zurückführen kann. Im Oberlauf der Geeste befinden sich noch natürliche Kiesvorkommen, wenngleich ein großer Teil der Grobfraktion entfernt wurde. Im Gewässerlauf ist eine sehr hohe Belastung mit Feinsediment zu verzeichnen, die vermutlich durch Erosion der umliegenden Maisäcker verursacht wird.

Anders stellt sich die Situation für die Grove dar. Zwar wurde auch die Grove stark ausgebaut, was zum Verlust der natürlichen Kiessohle führte. Allerdings sind in den Jahren 2007 und 2009 Kiesbänke über mehrere hundert Meter eingebracht worden, um so wieder Laichhabitate für Meerforellen zu schaffen. Im Bereich der Grove befindet sich überwiegend extensiv genutztes Grünland, von dem nur eine geringe Gefahr von Feinsedimenteinträgen ausgeht.

Die Untersuchungen ergaben, dass die Gewässersohle der Geeste aufgrund des hohen Feinsedimentanteils und der geringen Permeabilität der Laichplätze für eine Reproduktion der Meerforellen ungeeignet ist. Lediglich an einem Platz konnte eine Eientwicklung bis zum Augenpunktstadium festgestellt werden. Larven wurde nirgendwo gefunden.

Bei den Plätzen an der Grove zeigten sich große Unterschiede in den Messwerten. Der Anteil an Feinsedimenten ließ die Gewässersohle der Grove aber überwiegend als geeignet für eine Reproduktion der Meerforellen erscheinen. Auch die Sauerstoffwerte fielen sehr unterschiedlich aus. Dabei gab es einige Laichplätze mit überdurchschnittlich hohen Sauerstoffwerten, an denen schließlich auch eine Entwicklung bis zum Larvenstadium nachgewiesen werden konnte.

Die Untersuchungsergebnisse an der Grove zeigen, wie durch eine einfache Revitalisierung Laichhabitate geschaffen werden können, die auch nach Jahren ohne nennenswerte Pflegemaßnahmen eine natürliche Reproduktion von Meerforellen zulassen.

Mit seiner Arbeit konnte Lasse Rennebeck anhand der Beispiele Geeste und Grove zeigen, wie wichtig der Gewässerzustand ist, um Meerforellen in norddeutschen Flüssen erfolgreich wiederanzusiedeln. Dass seine Untersuchung selbst von höchster Qualität ist, bestätigte die Hochschule Bremen, indem sie die Arbeit mit der Note 1 bewertet hat.

Die vollständige Arbeit findet man auf www.lfv-weser-ems.de/downloads

 

Wandersalmoniden-Monitoring in der Welse bei Delmenhorst (Foto: Henning Stilke).

Monitoring von Wandersalmoniden 2015

Die letzten drei Monate des Jahres 2015 standen für die Vereine des Sportfischerverbandes wieder ganz im Zeichen der Wandersalmoniden. Jedes Jahr sind es etwa 60 bis 80 Einsätze am Wasser, in denen die engagierten Freiwilligen sich beim Elektro-Fischen auf die Suche nach laichfähigen Meerforellen und Lachsen begeben. Neben dem Verbands-Biologen Dr. Jens Salva waren zum Teil gleichzeitig weitere ausgebildete Fachkräfte mit E-Geräten unterwegs, was die Arbeit sehr effektiv gemacht hat.

Das Monitoring der Wandersalmoniden wurde im vergangenen Jahr an diversen Fließgewässer der Mitgliedsvereine durchgeführt. Die Aktivitäten fanden an den Fluss- und Bachläufen statt, die zu den Einzugsgebieten der oberen Ems, der Hase, des Leder-Jümme-Systems, der Jade, Geeste/Unterweser, Hunte und Ochtum gehören.

Mit den Fängen konnten einige wichtige Erkenntnisse und Bestätigungen für die bisher geleistete Arbeit gewonnen werden. So gaben die markierten Fische zu erkennen, dass sie sehr genau in ihre Heimatgewässer zurückfinden. Auffällig war dabei die hohe Anzahl von großen Fischen mit Längen über 70 Zentimeter. In den vergangenen Jahren hatten die Fische oft geringere Durchschnittsgrößen. Unverkennbar machen sich mit den Fängen die umfangreichen Arbeiten zur Renaturierung der Gewässer durch die Vereine und den Verband bemerkbar. Die Erfolge bei der Wiederansiedlung der Wanderfische motivieren deshalb dazu, weitere Maßnahmen zur Renaturierung durchzuführen.

 

 

 

SPORTFISCHERVERBAND IM
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