GEWÄSSERPROJEKTE

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Baggerarbeiten für den neuen naturnahen Verlauf des Beckstedter Bachs (Foto: Jens Salva)

Renaturierung des Beckstedter Bachs bei Colnrade

Am 08. August 2017 begannen die Renaturierungsarbeiten am Beckstedter Bach in der Gemeinde Colnrade. Der Beckstedter Bach ist ein rechtsseitiger Zufluss zur Hunte mit einem Einzugsgebiet von kaum 10 Quadratkilometern. Im Mündungsbereich zur Hunte ist der Bach ausgebaut und zeigt einen geradlinigen, strukturarmen Verlauf bei einer Sohlbreite von 1 bis 2 Metern.

Ziel der Renaturierungsmaßnahme ist es, eine naturraumtypische Bachstruktur zu schaffen mit den verschiedenen Elementen eines naturbelassenen Bachlaufs und der typischen Auenstruktur. Dafür wird der begradigte Gewässerabschnitt in Teilbereichen durch einen neuen, naturnahen Verlauf ersetzt. Zusätzlich werden Altarmstrukturen geschaffen, wie sie ähnlich einmal vorhanden waren, durch den Ausbau des Bachs und der Hunte aber verloren gegangen sind.

Für die Umsetzung der Maßnahme wird das Gewässer in Teilabschnitten aus seinem derzeitigen Bett in einen neuen, naturnahen Verlauf verlegt. Dafür wird der anstehende Oberboden auf einer Breite von 10 bis 15 Metern abgetragen. Danach erfolgt die Profilierung des neuen Gewässerverlaufs. Dabei wird durch den gezielten Einbau von Strukturelementen wie Totholz und Kies sowie die Anpflanzung von Gewässer begleitenden Gehölzen wie Schwarzerlen ein reichhaltig strukturierter Gewässerabschnitt geschaffen. Die dadurch erfolgende Aufwertung des Lebensraumes wird vor allem anadromen Wanderfischen wie Neunaugen und Wandersalmoniden sowie auch Kleinfischen sehr entgegen kommen.

Die Maßnahme wird zu einem wesentlichen Teil von der Bingo-Umweltstiftung finanziert. An der Finanzierung hat sich außerdem der Landkreis Oldenburg beteiligt, der sich zudem maßgeblich für die Flächenbereitstellung eingesetzt hat. Weiterhin haben die Ferdinand-Quirll-Stiftung sowie der Fischereiverein Colnrade, der zugleich Träger des Projektes ist, zur Finanzierung der Renaturierungsmaßnahme beigetragen. Die biologische und planerische Begleitung des Projekts erfolgt durch den Landesfischereiverband Weser-Ems.

 

Renaturierung des Beckstedter Bachs bei Colnrade

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Das Kleingewässer bei Esterwegen wird vertieft und ausgeweitet (Foto: Jens Salva)

Entwicklung eines Kleingewässers bei Esterwegen

Nahe der Ohe bei Esterwegen fanden Mitte März 2017 Bodenarbeiten an einem Kleingewässer statt. Die Maßnahme diente der Wiederherstellung von aquatischem Lebensraum durch Entschlammung und kleinräumige Vergrößerung des Gewässers. Weiterhin sollte eine Anbindung zur Ohe geschaffen werden. Hierdurch soll insbesondere eine Förderung von Amphibien- und Kleinfischarten in Verbindung mit einer Verbesserung der Standortbedingungen für die Vegetation im semiaquatischen Bereich erfolgen.

Das Kleingewässer wurde in den randlichen Bereichen um etwa 150 Quadratmeter vergrößert und teilweise entschlammt. Über eine Rohrleitung wurde eine Verbindung zur Ohe hergestellt, die bei Hochwasser einen Austausch zwischen den beiden Gewässern ermöglicht. In einem weiteren Schritt erfolgte die Abflachung von ausgewählten Uferbereichen in Verbindung mit der Beseitigung von seitlichem Gehölzaufwuchs zur Förderung des Lichteinfalls. Hierdurch entstehen wechselfeuchte Bereiche zur Etablierung typischer Pflanzenarten. Diese Bereiche sollen sich frei entwickeln, wodurch eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Ausgangszustand zu erwarten ist.

Mit der Herstellung einer ausreichenden Gewässertiefe in Verbindung mit strukturellen Verbesserungen der Uferbereiche werden die Voraussetzungen zur Förderung von Kleinfischarten geschaffen, da sowohl ein frostbedingtes Aussticken bzw. Durchfrieren verhindert als auch wichtige Reproduktions- und Aufwuchshabitate geschaffen werden. Ähnliches gilt für Amphibien. Auch hier werden sich ausgedehntere Flachwasserbereiche mit standorttypischer Vegetation positiv auf die Population auswirken.

Als Projektträger hat sich der SFV Esterwegen unter Federführung des 1. Vorsitzenden Johann Thien für die Maßnahme eingesetzt. Die Projektplanung und Baubegleitung lag in den Händen des Landesfischereiverbandes Weser-Ems.

 

 

Hier entsteht das neue Seitengewässer des Mersbachs (Foto: Jens Salva)

Neues Seitengewässer für den Mersbach

Am 25. Januar 2017 begannen die Arbeiten zur Anlage eines Stillgewässers für den Mersbach. Damit soll im Mündungsbereich des Mersbachs nördlich der Stadt Haren an der Ems ein naturnahes Seitengewässer erstellt werden. Das geplante Seitengewässer wird eine Verbindung zum Mersbach erhalten, so dass es die Funktion eines Auengewässers erfüllen kann. Es wird damit den aquatischen Organismen als wichtiger Lebensraum zur Verfügung stehen. Besonders in Hochwasserphasen sowie im zeitigen Frühjahr wird das Gewässer einen wichtigen Rückzugsraum mit geeigneten Habitatsstrukturen für die aquatische Fauna bieten.

Der Anschluss an den Mersbach soll über einen etwa 4 bis 5 Meter breiten Graben erfolgen, der ganzjährig eine Mindestwassertiefe von ca. 0,7 Meter aufweist, um so den freien Wechsel der Organismen zu ermöglichen. Die voraussichtliche Ausdehnung des Seitengewässers ist mit etwa 1500 Quadratmetern anzusetzen. Die maximale Wassertiefe wird bei etwa 1-1,5 Metern liegen. Zu den Uferbereichen wird das Gewässer flach auslaufen, um den an die Wasserwechselzone angepassten Tieren und Pflanzen einen geeigneten Lebensraum zu bieten. Der anfallende Bodenaushub in Höhe von ca. 1500 Kubikmetern wird aus dem gesetzlich festgelegten Überschwemmungsgebiet verbracht.

Die biologische Baubegleitung erfolgt durch den Fischereibiologen des Landesfischereiverbandes Weser-Ems. Projektträger ist der SAV Haren/Ems. Zusätzlich zum Sportanglerverein sind als Geldgeber an dem Projekt beteiligt, die Ferdinand-Quirll-Stiftung, die Bingo-Umweltstiftung, die Naturschutzstiftung Landkreis Emsland und erstmals aktiv auch die im vergangenen Jahr gegründete Stiftung Emsländische Gewässerlandschaften.

 

Entstehung eines neuen Seitengewässers des Mersbachs

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Luftaufnahme vom neuen Seitengewässer der Ems bei Emsbüren (Foto: Team Kram Air).

Ein neues Seitengewässer der Ems

An der Ems entsteht in der Gemeinde Emsbüren ein neues naturnahes Seitengewässer, das die Funktion eines Altarms erfüllen soll. Wir haben hier bereits über die Anfänge der Arbeit informiert. Jetzt sind die Baggerarbeiten beendet, das künftige Nebengewässer hat erkennbar seine geplante Gestalt erhalten. Jetzt gilt es nur noch, den Bodenaushub abzufahren.

Der SFV Salzbergen ist als Träger der Maßnahme aktiv. Sein 1. Vorsitzender, Walter Willemsen, berichtet, dass es bereits eine Begehung mit dem Außenbeamten des Landkreises Emsland, Hermann Fehnker, gegeben hat. Die Begutachtung des augenblicklichen Projektzustandes ist zu allgemeiner Zufriedenheit ausgefallen.

Nach dem Abtransport des Aushubs ruht die Baustelle bis zum Frühjahr. Dann werden die Wiese und der Sommerdeich mit einer speziellen Grassamenmischung neu angesät. Das Saatgut stellt der Landkreis Emsland zur Verfügung. Wenn das Ganze gut angewachsen ist, wird das Nebengewässer im Frühjahr 2017 an die Ems angeschlossen.

 

 

Entstehung eines neuen Ems-Nebengewässers bei Emsbüren

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Luftaufnahme vom neuen Gewässerverlauf der Wapel (Foto: A. Brunken).

Die Wapel mäandriert wieder

Der Fluss Wapel erhielt dank der Molkerei Ammerland und dem Entwässerungsverband Jade in Zusammenarbeit mit dem Sportfischerverband Weser-Ems ein ganz neues und ursprünglicheres Gesicht. Bislang kannte man die Wapel westlich der Ortschaft Jaderberg nur als schnurgerade fließenden Entwässerungskanal. Im Oktober 2015 sind jedoch schwere Baufahrzeuge an der Landkreisgrenze zwischen Friesland und Ammerland angerückt, um dem begradigten Fluss einen neuen, einen verschlungenen, mäandrierenden Lauf zu geben. Damit soll die Wapel, ein Nebenfluss der Jade, zugleich zu neuem Leben erweckt werden. Die Bewohner des Flusses sind nahezu ausgestorben. Mit der Revitalisierung des Gewässers sollen die typischen Tier- und Pflanzenarten kleiner Niederungsflüsse wieder zurückkehren in ihren charakteristischen Lebensraum.

Die Renaturierung der Wapel wurde vom Sportfischerverband im Landesfischereiverband Weser-Ems e.V. geplant und unter Bauaufsicht von Dr. Jens Salva durchgeführt. Eine Flussstrecke von bislang einem Kilometer Länge wurde durch den neuen kurvenreichen Verlauf auf 1,4 Kilometer erweitert. Eine solche Bodenbewegung war auch für den erfahrenen Planer von Gewässerbauten nicht alltäglich. Die Verlegung der Wapel in ein natürlich mäandrierendes Flussbett stellte schließlich eine der größten Renaturierungsmaßnahmen im Nordwesten Niedersachsens dar.

Den Ausgangspunkt für das Projekt bildete die Molkerei Ammerland e.G. Mit der geplanten Ausweitung ihrer Produktion wird die Molkerei in Zukunft mehr Abwasser produzieren. Zu viel für die Wapel in ihrem geradlinigen Flussbett. Eine umweltfreundliche Lösung für den Wasserabfluss musste gefunden werden. Auf solche Lösungen ist der Sportfischerverband als anerkannte Naturschutzvereinigung spezialisiert. In zahlreichen wasserbaulichen Projekten hat der Verband bereits seine Kompetenz in Sachen Gewässerrenaturierung unter Beweis gestellt. Und so ist er auch für die anspruchsvolle Aufgabe an der Wapel der richtige Partner.

Die Projektmanagerin der Molkerei, Bettina Freese, hat sich mit der Geschäftsleitung die Baumaßnahmen im Gelände angesehen und ist überzeugt: „Das ist ein tolles Projekt. Wenn man durch solche Rückbaumaßnahmen aus der Landschaft verschwundene Tiere und Pflanzen wieder zurückbringen kann, dann lohnt sich die Investition.“ Das Konzept hat schließlich nicht nur die Molkerei, sondern auch den Entwässerungsverband Jade und den Landkreis Ammerland überzeugt, der die Baumaßnahme genehmigt hat.

Die gemeinsame Anstrengung zeigt ein deutliches und für die Region ungewohntes Bild, das von einer speziellen Fachfirma in die Landschaft eingegraben wird. Der neue, verschlungene Flusslauf sieht aus wie eine Miniatur des Amazonas. Und ähnlich wild und natürlich soll der kleine Fluss auch bald wieder strömen.

Mit einer Strukturvielfalt aus Kurven, unterschiedlichen Tiefen und Breiten sowie wechselndes Strömungsverhältnissen ist ein vielgestaltiger Lebensraum entstanden. Auch das direkte Umland wurde bei der Neugestaltung einbezogen und verwandelte sich mit unregelmäßigen Senken in die charakteristische Auenlandschaft eines Niederungsflusses. Schließlich wird mit der Anpflanzung von Gewässer begleitender Gehölzen wie Schwarzerlen die regional typische Vegetation wiedererstehen.

Nach 10 Monaten Bauzeit erfolgte im Sommer der Anstich für das neue Flussbett. Jetzt wird die Wapel wieder attraktiv für Amphibienpopulationen und wasserbewohnende Insekten. Und auch für die Rückkehr der einheimischen Fischarten zeigt sich das Gewässer gerüstet. Durch die Einbringung von Kies ins Flussbett wurden die Voraussetzungen geschaffen, damit sich selbst kieslaichende Fischarten wie Neunaugen und Meerforellen wieder einfinden und fortpflanzen können.

Auch wenn die Erdarbeiten abgeschlossen sind, ist das Projekt für den Sportfischerverband Weser-Ems noch nicht beendet. Denn nun wird die Entwicklung der Flora und Fauna an der Wapel beobachtet. Die beiden Umweltwissenschaftlerinnen Janna Kruse und Ann-Katrin Ochtrop werden ihr Masterarbeit in Zusammenarbeit mit dem Landesfischereiverband und der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg über die Renaturierung der Wapel verfassen.

 

Die Wapel bekommt einen neuen, naturnahen Verlauf

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In der Lethe werden neue Kiesbänke angelegt (Foto: Jens Salva).

Kies für die Lethe

Wenn Fischarten in unseren Flüssen dauerhaft wieder heimisch werden sollen, reicht es nicht, Jungfische einzusetzen. Man muss ihnen auch geeignete Bedingungen zur Fortpflanzung schaffen. Genau das geschah auf einer rund 200 Meter langen Strecke der Lethe bei Wardenburg. In dem Flussabschnitt im Bereich „Bei der Wardenburger Mühle“ wurden aus 320 Tonnen Kies Laich- und Aufwuchshabitate für kieslaichende Wanderfische. Fische wie Lachs, Meerforelle und Neunauge, die zeitweise ganz aus der Lethe verschwunden waren, sollen wieder die Wasserlandschaft finden, die sie zum Laichen und Überleben brauchen.

Unter Bauleitung des Sportfischerverbands Weser-Ems brachte der Fischereiverein Wardenburg mit fünf Kiesbänken ein Stück ursprüngliche Flussnatur zurück in die Lethe. Damit solch ein Projekt zur Renaturierung gelingt, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen. In diesem Fall gab es ein vorbildliches Miteinander des Landkreises Oldenburg, der Hunte-Wasseracht und des Fischereiverein Wardenburg. Lobenswert war auch der Einsatz der Firma Agrarfrost, die einen Teil der Steine kostenlos angeliefert hat.

Mit den 5 bis 10 Meter langen Kiesbänken werden aber nicht nur Laichplätze geschaffen. Die gesamte Flussstruktur wird damit vielfältiger und für die Wasserbewohner attraktiver. Der Flussabschnitt bekommt mehr Tiefenvarianz, die zur Ausbildung von Flachwasserbereichen und tiefen Kolken führt. Neben der strukturellen Aufwertung bewirken die Kieseinbauten auch eine Stabilisierung des Gewässerbetts.

Für die stark verbaute Lethe bedeutet der Kieseintrag einen wichtigen Schritt zurück zu mehr Lebensqualität für ihre Bewohner. Dem FV Wardenburg sind solche Maßnahmen ein großes Anliegen. Der Vereinsvorsitzende Paul Riefstahl betont, dass es seinem Verein nicht nur ums Fische fangen geht. „Wir wollen die Natur des Flusses, so gut es geht, wieder herstellen und dafür sorgen, dass die Fische sich selbst fortpflanzen.“

Noch wird künstlich nachgeholfen, wenn die Wanderfische in die Lethe aufsteigen. Der Rogen wird in der Brutanstalt in Oldenburg befruchtet, und die Brütlinge werden im Fluss ausgesetzt. Vielleicht kann sich der Nachwuchs aus diesem Jahr aber eines Tages auf den neuen Kiesbänken eigenständig fortpflanzen.

 

 

Einbringung von Kiesbänken in die Lethe

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Spatenstich für den neuen Bachverlauf am 18.10.2016 (Foto: Jens Salva).

Löninger Mühlenbach bekommt neues Bett

Am Löninger Mühlenbach wurden auf einer etwa 900 Meter langen Ausbaustrecke, die sich nördlich des vorhandenen Bachverlaufs befindet, Renaturierungsarbeiten durchgeführt. Parallel zu den Aushubarbeiten, die eine Firma aus Verl bei Gütersloh ausführte, wurden die neuen Uferböschungen durch Grassoden befestigt, so dass sie sich im Laufe des nächsten Jahres stabilisieren können. Anfang 2018 sollen dann das neue Bachbett geflutet und die Arbeiten oberhalb der Duderstädter Brücke fortgeführt werden. Als Fernziel ist für die gesamte Strecke bis Löningen eine ähnliche Renaturierungsmaßnahme geplant. Hierfür läuft seit einiger Zeit das notwendige Flurbereinigungsverfahren.

Anders als beim alten kanalartigen Bachbett wird der Mühlenbach künftig in vielen geschwungenen, naturnah verlaufenden Mäandern das Gebiet durchfließen. Das alte Bachbett wird dann als Altwasser Fischen, Vögeln, Amphibien und Insekten einen neuen Lebensraum bieten, fehlen doch nach dem Gewässerausbau in den 1960er Jahren weitgehend die Laich- und Rückzugsräume für diese Tiergruppe.

Am Rande des Flusslaufs sollen Randstreifen, ein Auenwald, Erlen-Bruchwälder und Kleinwasserzonen entstehen. Durch diese Maßnahme wird eine ökologisch hochwertige Flusstalaue mit Flachwasserbereichen entstehen. Damit wird ein wichtiges und zukunftweisendes „Leuchtturmprojekt“ der Stadt Löningen, so Bürgermeister Marcus Willen in seiner Begrüßungsrede beim Ersten Spatenstich, zur Verbesserung des ökologischen Zustands des Löninger Mühlenbachs realisiert.

Bereits im Verlauf des Jahres 2005 war der Löninger Mühlenbach gemäß der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) in einem aufwändigen Verfahren untersucht worden, wobei die ökologischen und ökonomischen Verhältnisse die Hauptschwerpunkte bildeten. Er war vor Jahrzehnten durch Begradigungs- und Entwässerungsmaßnahmen stark in seinem Verlauf und seiner Struktur verändert worden, ähnelt also mehr einem Entwässerungskanal. Ziel der Untersuchungen war damals festzustellen, durch welche Maßnahmen und mit welchen Kosten der Zustand des Mühlenbachs entscheidend verbessert werden könnte. Schnell stellte sich aber heraus, dass die Renaturierung des gesamten Mühlenbachs mit seiner Gesamtlänge von 24 Kilometern in den Bereichen Löningen, Lastrup und Cloppenburg Millionen an Kosten verursachen würde.

Dank des Engagements des Löninger Bauamtsleiters Hermann Dirks in enger Zusammenarbeit mit Manfred Kramer (Hasewasseracht), Jürgen Herpin (Dachverband Hase), dem Fischereibiologen Dr. Jens Salva (Landesfischereiverband Weser-Ems) sowie den Planungsbüros Diekmann & Mosebach aus Rastede und IDN aus Oyten kann jetzt zumindest im Bereich Löningen eine wesentliche Verbesserung realisiert werden, da diese Flächen mit einem hohen Faktor als Kompensationsflächen für versiegelte Flächen in Bau- und Industriegebieten angerechnet werden können.

 

Der neue, naturnahe Verlauf der Woppenkamper Bäke (Foto: Jens Salva).

Neues Bett für die Woppenkamper Bäke

Der begradigte, naturferne Teilabschnitt der Woppenkamper Bäke im Bereich des Neuenburger Urwaldes westlich von Bockhorn im Kreis Friesland hat wieder einen natürlichen Verlauf mit typischen Auenstrukturen bekommen. Für den Bach wurde auf einem Abschnitt von ca. 400 Metern ein neuer mäandrierender Verlauf geschaffen. Am 11. Mai war der Durchstich vom begradigten zum neuen, naturnahen Bachbett.

Durch den zusätzlichen gezielten Einbau von Strukturelementen wie Totholz und Kies hat der Bach vielfältige Strukturelemente erhalten. Die Maßnahmen fanden im Rahmen einer biologischen Planung und Baubegleitung durch den Landesfischereiverband Weser-Ems statt.

In Verbindung mit der Schaffung des neuen Gewässerverlaufs wurde die Wiederherstellung der Durchgängigkeit an einem Sohlabsturz erreicht. Der Gefällesprung betrug ca. 1 Meter, was für die meisten Fischarten nicht zu überwinden war. Dadurch war ihnen eine stromauf gerichtete Wanderung nicht möglich.

Mit dem neuen Bachbett hat die Woppenkamper Bäke zum einen eine reichhaltige Strukturierung erhalten und zum anderen eine uneingeschränkte Durchgängigkeit. Das kommt nicht nur den Wanderfischen, sondern allen Bewohnern des Gewässers zugute, die nun ungehindert ihren bevorzugten Lebensraum in dem Fließgewässer aufsuchen können.

 

 

Ein neues Bachbett für die Woppenkamper Bäke

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Kiesbänke im Rittrumer Mühlenbach bilden die Voraussetzung für die Wiederansiedlung von Wandersalmoniden (Foto: Jens Salva).

Neue Forschungen zum Rittrumer Mühlenbach

Im Jahr 2013 wurde auf einer Länge von 360 Metern Kies in den Rittrumer Mühlbach nordöstlich von Großenkneten eingebracht. Im Oktober 2014 erfolgte die Fortsetzung der Revitalisierung durch die Anlage von Kiesbänken auf einer Länge von etwa 200 Metern. Damit ist der Rittrumer Mühlbach bis auf 100 Meter von der Mündung bis zum Fischaufstieg bei der Wassermühle mit Kiesbänken bestückt. Dieses umfangreiche Revitalisierungsprojekt wurde vom Sportfischerverein Huntlosen e.V. mit fachlicher Beratung durch den Landesfischereiverband Weser-Ems realisiert.

Ziel der Maßnahme war es, Laichhabitate für die Salmoniden im Rittrumer Mühlbach zu schaffen. Ob das tatsächlich gelungen ist, wird jetzt von Ole Vollmerding im Rahmen seiner Masterarbeit wissenschaftlich untersucht. Seit November 2015 führt der Biologe seine Untersuchungen durch. Die Entnahme von Proben wird er noch bis Juni dieses Jahres fortsetzen. Die Fertigstellung und Abgabe der Arbeit ist für den Herbst geplant.

Im Moment wäre es noch zu früh, Ergebnisse darüber zu formulieren, wie die Laichhabitate sich für die Fortpflanzung von Meer- und Bachforellen eignen. Im Interesse des Naturschutzes und der Angler wünscht man sich selbstverständlich einen durchschlagenden Erfolg der Laichhabitate. Es deutet sich mit den bisherigen Proben jedoch an, dass die Versandung in dem Gewässer die Qualität der Laichhabitate beeinträchtigt.

Wie auch immer das Ergebnis der Masterarbeit ausfallen wird, die Untersuchungen werden mit Sicherheit einen wichtigen Baustein für die Erkenntnisse über die Laichhabitate der Salmoniden in Nordwestdeutschland darstellen.

 

Der neu geschaffene Flachwasserbereich soll den Bewohnern des Bösselhauser Sees als Laichgebiet dienen (Foto: Jens Salva).

Laich-und Flachwasserzone für den Bösselhauser See 

Für den AV Jever gehören der Schutz, die Erhaltung und die Förderung der aquatischen Flora und Fauna sowie der im Gewässerumfeld lebenden Arten satzungsgemäßen zu seinen Aufgaben. Um diesen Anforderungen sachkundig gerecht werden zu können, werden die Gewässerwarte des Vereins in Fortbildungsveranstaltungen in Theorie und Praxis ausgebildet. Die Umsetzung dieses Wissens an den Gewässern des Vereins ist ein zentrales Ziel.

Am Bösselhauser See, einem ehemaligen Bodenabbaugewässer mit wenig Flachwasserbereichen, bietet sich für dem Verein jetzt die Möglichkeit zur Herstellung einer ausgedehnten Flachwasserzone. Am 11. 10. 2016 begannen die Arbeiten für diese Maßnahme.

Der zu erstellende Flachwasserbereich soll eine Ausdehnung von ca. 1000 m² erhalten. Die maximale Wassertiefe wird mit etwa 50 bis 100 Zentimeter veranschlagt. Aufgrund der geringen Trübung des Bösselhauser Sees wird die Förderung submerser Makrophyten angestrebt. Die gesamte Bauausführung wird durch den Fischereibiologen des Landesfischereiverbandes Weser-Ems fachlich begleitet. Besonderer Wert wird bei der Gestaltung des Gewässers auf die Entwicklung der semiaquatischen Fauna und Flora gelegt. Hierzu werden die Uferbereiche mit unterschiedlichen Neigungen ausgeprägt, so dass sich gut strukturierte Wasserwechselzonen ergeben. Die gesamte Maßnahme wird in den folgenden Jahren durch den Verein begleitet und betreut.

 

Ingenieure, Hydrologen und Ökologen aus den Niederlanden bei der Besichtigung des Eschenbachs (Foto: Jens Salva).

Holländische Experten besuchen den Eschenbach

Holländer sind Experten in Fragen des Wasserbaus, das ist weltweit bekannt. Umso bemerkenswerter ist es, wenn sie die deutschen Nachbarn besuchen, um von den Baumaßnahmen an ihren Gewässern zu lernen. So ist es am 10. Mai 2016 geschehen, als eine Delegation von Ingenieuren, Hydrologen und Ökologen aus den Niederlanden zu Besuch beim Landesfischereiverband Weser-Ems war, um die Maßnahmen am Eschenbach nördlich von Harpstedt zu begutachten.

Die Strukturverbesserungen am Eschenbach führte der Verband gemeinsam mit den Vereinen FV Twistringen, FV Delmenhorst und ASV Harpstedt durch. Jetzt liegt die Pflege des Gewässers in den Händen des ASV Harpstedt. Ziel des Projektes war es, im Rahmen einer sogenannten In-stream-Maßnahme dem „Bach im Bach“ mehr Struktur zu geben. Durch Einengung des Bachlaufes und Erhöhung der Fließgeschwindigkeit bilden sich dabei vielfältigere Strukturen aus, die den Bewohnern des Gewässers zugutekommen. Erkennbar profitieren jetzt bereits die Meerforellen als Wandersalmoniden und die Neunaugen von der Strukturverbesserung.

Bei dem Besuch des Eschenbachs zeigten sich die Experten aus Holland in Begleitung von Dr. Jens Salva vom Landesfischereiverband und dem Vorsitzenden des ASV Harpstedt, Gerhard Helmts, beeindruckt von dem Ergebnis der Renaturierungsmaßnahme. Solch ein Projekt, so waren sich die Fachleute einig, könnte man sich auch sehr gut übertragen auf Gewässer in den Niederlanden vorstellen. Ein besseres Kompliment für die Arbeiten am Eschenbach kann man sich doch kaum wünschen.

 

Der Hakengraben ist wieder durchgängig für seine Bewohner. (Foto: Jens Salva).

Durchgängigkeit für den Hakengraben

Der Hakengraben in Rühle, südlich von Meppen, hat als Nebengewässer der Ems eine hohe Bedeutung als Laichgewässer für diverse Fischarten. Zur Herstellung der Durchgängigkeit wurde in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Emsland und dem Unterhaltungs- und Landschaftsverband Nr. 95 „Ems I“ ein vorhandenes Querbauwerk in eine Sohlgleite umgestaltet.

Für den Projektträger, den Sportanglerverein Rühle 1959 e.V., ist es bereits das zweite Projekt dieser Art. Der Landesfischereiverband Weser-Ems steht dem Verein dabei mit fachlicher Beratung und Unterstützung bei der technischen Durchführung zur Seite.

Die gewässerbaulichen Maßnahmen des Projekts bewegen sich in einem Kostenrahmen von rund 40.000 Euro. Die Maßnahme wird von der Bingo-Stiftung gefördert und von der Naturschutzstiftung des Landkreises Emsland, dem Unterhaltungs- und Landschaftsverband Nr. 95 „Ems I“ sowie dem Sportanglerverein Rühle mit finanziert.

 

Die Kimmer Bäke wurde durch die Anlage von Kieslaichplätzen aufgewertet (Foto: Jens Salva).

Anlage von Kieslaichplätzen in der Kimmer Bäke

Die Kimmer Bäke wurde, wie viele andere Gewässer in der norddeutschen Tiefebene auch, in weiten Teilen ausgebaut. Viele wertvolle Gewässerstrukturen gingen dadurch verloren. Davon betroffen waren unter anderem die kiesigen Sohlstrukturen, die als notwendige Habitate zur Reproduktion von Neunaugen und Salmoniden unerlässlich sind. Um die Strukturen wieder herzustellen, wurden gezielt Kiesbänke eingebaut.

Ein weiteres Ziel dieses Projekts war die die Förderung der Gewässerdynamik. Auf einer Strecke von ungefähr 500 Metern wurden 105 Tonnen Kies ins Gewässer eingebracht. Auf diese Weise wurde nicht nur die Sohlstruktur aufgewertet, sondern auch wichtige neue Lebensräume geschaffen und die bereits seit 10 Jahren existierenden Bemühungen zur Wiederansiedlung anadromer Salmoniden im Gewässersystem unterstützt.

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Einbau von Kiesbänken in die Rammelbecke (Foto: Jens Salva).

Revitalisierung der Rammelbecke

Bei der Revitalisierung der Rammelbecke stand für den SFV Nordhorn e.V. die Schaffung von Laich- und Aufwuchshabitaten für kieslaichende Arten und die Herstellung der Durchgängigkeit an einem vorhandenen Sohlabsturz im Vordergrund. Um diese Ziele zu erreichen, wurden auf einer Strecke von ca. 300 Metern mehrere Kiesbänke eingebaut. Die Bänke erstreckten sich über die gesamte Gewässerbreite, hatten eine Länge von 5 bis 7 Metern sowie eine Schichtdicke von ca. 30 bis 40 Zentimeter.

Insgesamt wurden sechs bis acht Bänke eingebaut, durch die in zuvor vorhandener Sohlabsturz ersetzt werden konnte. Das vorhandene Gefälle konnte zur Wiederherstellung dynamischer Verhältnisse innerhalb des Gewässers genutzt werden. Durch den gezielten Kieseinbau ist zusätzlich von einer Erhöhung der Tiefenvarianz auszugehen, da sich Kolke sowie Flachwasserbereiche ausbilden und somit im und am Gewässer ein vielfältiger Lebensraum entsteht.

Die Strömung kann in Abhängigkeit der örtlichen Gegebenheiten zur begrenzten eigendynamischen Entwicklung des Gewässers genutzt werden. Der Einbau der einzelnen Kiesbänke erfolgte in Abhängigkeit der örtlichen Verhältnisse (Strömungsverteilung, Gewässerbreite, Gefälle).

 

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Der Holtorfer Bach bildet ein gutes Beispiel für erfolgreiche Gewässerrenaturierung. (Foto: Jens Salva).

Renaturierung des Holtorfer Baches

Bei der Renaturierung des Holtorfer Baches waren die Herstellung eines naturraumtypischen Geestgewässers mit gewässerbegleitender Aue, die Förderung von bach- und auentypischer Flora und Fauna sowie die Entwicklung naturnaher Bachstrukturen wichtige Ziele bei der Umsetzung des Projekts. Zudem wird die Durchgängigkeit und damit der Auf- und Abstieg der Fischfauna durch eine optimale Anbindung an das Hauptgewässer Hunte erreicht.

Durch Bodenabtrag und Profilierung wurde die Aue so gestaltet, dass sie im Überflutungsfall mittels eines externen Sandfangs einen Rückgang des Feinsedimenttransportes in die Hunte bewirkt und die zeitweise Entnahme von Sedimenten schonend möglich ist. Die Sohle wurde mit Hartsubstrat profiliert und soll Kieslaichern wie z.B. Neunaugen als Laichhabitat dienen. Zudem wurde in unmittelbarer Nähe des Mündungsbereichs des Holtorfer Bachs ein Altarm mit Anschluss an die Hunte geschaffen und in den Auenbereich integriert.

Die Entwicklungsziele wurden dahingehend definiert, dass sich in den kommenden Jahren unter anderem ein lichter Erlenauwald etablieren soll. Durch die Verbindung von einzelnen Gebüsch- und Waldstrukturen hat die Maßnahme eine hohe Naturschutzrelevanz und fördert nachhaltig die Amphibien- und Eisvogelpopulation

Von Anfang an war die Maßnahme ein Kooperationsprojekt. Die Projektrealisierung wurde durch reduzierte Bürokratie und schnelle Amtswege vorangetrieben. Während der gesamten Bauphase gab es eine fachliche biologische Begleitung. Die Umsetzung wurde mit großem bürgerschaftlichen Engagement durchgeführt.

Das Projekt wurde 2012 im Rahmen des Niedersächsischen Gewässerwettbewerbes "Bach im Fluss" mit der Niedersächsischen Bachperle in der Kategorie Ehrenamt ausgezeichnet.

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Die Ellenbäke wurde wieder in einen naturnahen Zustand versetzt. (Foto: Jens Salva).

Renaturierung der Ellenbäke

Der ortsansässige Fischereiverein, der Tückerverein Goldenstedt, hatte sich zum Ziel gesetzt, die strukturarme Ellenbäke wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen, um den eigentlich gewässertypischen kieslaichenden Arten zu neuem Lebensraum zu verhelfen. Aus der Tatsache, dass der Oberlauf der Ellenbäke bereits naturnahe Strukturen aufwies, ergaben sich nicht nur gute Erfolgschancen zur Wiederansiedlung von Bachneunaugen und Meerforellen, sondern auch die Möglichkeit, für das gesamte Gewässer das Ziel der Wasserrahmenrichtlinie, den guten ökologischen Zustand, zu erreichen.

Die Maßnahme am Unterlauf der Ellenbäke wurde gemeinsam mit dem zuständigen Unterhaltungsverband, der Hunte-Wasseracht, und dem Landesfischereiverband Weser-Ems geplant und umgesetzt. Die erforderliche Fläche im Seitenraum wurde durch den Landkreis Vechta zur Verfügung gestellt. Das Gewässer wurde in Teilabschnitten verlegt, um einen naturnahen Verlauf mit angrenzender Sekundäraue zu schaffen. Dazu wurde der anstehende Oberboden auf einer Breite von 10 bis 15 Zentimetern bis in die entsprechende Tiefe abgetragen. Danach erfolgte die Profilierung des neuen Gewässerverlaufs mit dem Bagger.

Zur Minimierung der Sandfrachten wurde das schmale Niedrigwasserprofil durch Grassoden provisorisch gesichert. Darüber hinaus erfolgte ein gezielter Einbau von Totholz, Kies und anderen Strukturelementen. Der Tückerverein pflanzte gewässerbegleitende Gehölze (Schwarzerlen) und übernahm die Gewässerunterhaltung.

Aufgrund zweier unterquerender Gasleitungen musste ein Teilbereich von der Neutrassierung ausgenommen werden. In diesem Abschnitt ließen die Randbedingungen nur einen leichten Abtrag des Oberbodens zur Schaffung einer Auenstruktur zu.

Der neue, reichhaltig strukturierte Bachverlauf erfüllt alle Erwartungen. Mittlerweile sind Bachneunaugen und Meerforellen in der Ellenbäke nachgewiesen, und das gesamte Gewässer ist auf den Karten der Wasserrahmenrichtlinie als "guter ökologischer Zustand" eingestuft. Damit ist dem Projekt ein großer ökologischer Nutzen bei relativ geringem Mitteileinsatz zu bescheinigen.

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