Fortbildung für Gewässerwarte mit Vortrag zur Quappe

Am 7. Oktober 2017 fand im Kinosaal der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg eine Fortbildungstagung für Gewässerwarte statt. Die Veranstaltung stieß auf reges Interesse und war dementsprechend ausgebucht.

Als Gastreferent hielt Till Seume, Fischwirtschaftsmeister Landesfischereiverband Westfalen   und Lippe e.V., einen Vortrag zum Thema: „Wiederansiedlung der Quappe in Nordrhein-Westfalen“                                        

Der LFV hat im Jahr 2009 ein Projekt zur Stützung des Quappenbestandes in der Lippe ins Leben gerufen. Die Populationsentwicklung dieser seltenen und geschützten Fischart sollte positiv beeinflusst werden.      

Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU Soest) wurden im Herbst 2009 erste Elektrobefischungen an verschiedenen Standorten durchgeführt. Gefangene Tiere wurden nach eingehender Untersuchung (Erfassung von Gesundheitszustand, Länge und Gewicht) in die Teichhaltung überführt.  Die Vermehrung des projekteigenen Quappen-Laichfischstamms erfolgt im Fischereibetrieb des Ruhrverbandes an der Möhnetalsperre.

Bereits im ersten Jahr waren die Versuche zur künstlichen Befruchtung und Vermehrung dieser geschützten Fischart sehr erfolgreich. Mittlerweile können jährlich bis zu 15 Millionen Quappeneier erbrütet werden.   Obwohl der Umgang mit den Eiern und den winzigen Larven nicht einfach ist und sehr viel Erfahrung voraussetzt, gelingt die Aufzucht der Quappen in speziell entwickelten Aufzucht-Zylindern. In diesen Zylindern werden die jungen Quappenlarven mit eigens produzierten Planktonorganismen angefüttert. So ist es seit mehreren Jahren möglich, eine hohe Anzahl an Quappen in die Lippe und ihre Nebengewässer zu besetzen.   Der Besatz mit Larven erfolgt jährlich ab März in den Auenbereichen und langsam durchströmten Seitenarmen der Lippe. Im Frühsommer und Herbst werden zudem die Seitenzuflüsse mit bodenorientierten, größeren Fischen besetzt.          

Ein großes Etappenziel wurde mit dem Nachweis der erfolgreichen natürlichen Vermehrung der Quappe im Jahr 2013 erreicht. Ein Zeichen für den Erfolg des Projekts gaben zunächst Wiederfänge von besetzten Quappen aus vorherigen Jahren. Mittlerweile werden in vielen Bereichen regelmäßig Quappen durch Anglerfänge nachgewiesen.          

Um die Zucht weiterhin verantwortungsbewusst zu betreiben, wurden die Elterntiere der Quappen-Elterntierpopulation auf ihre genetische Vielfalt untersucht. Die genetische Vielfalt der Elterntiere spielt in der Zucht eine große Rolle für die Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit der Nachkommen.         

Die Ergebnisse der Untersuchungen durch die Universität Bochum zeigten eine hohe genetische Vielfalt der Elterntierpopulation und damit eine sehr gute Eignung der Elterntiere für die Zucht.     

Um die Quappenbestände in Nordrhein-Westfalen zukünftig vor dem Aussterben zu schützen, werden seit dem Jahr 2016 auch Gewässerabschnitte der Ruhr und Ems mit Quappen wiederbesiedelt.

 

Zurück