LFV Weser-Ems startet Projekt zur Wiederansiedlung des Edelkrebses

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Der Edelkrebs soll in den Gewässern Nordwestniedersachsens wieder heimisch werden. Den Anfang machten 174 Edelkrebse, die in einer Teichanlage in Weener, Ortsteil Diele nahe der Ems, ausgesetzt wurden. Für das Projekt zeichnet der Sportfischerverband im Landesfischereiverband Weser-Ems e. V. verantwortlich. Zu den Tierschutzprojekten der anerkannten Naturschutzvereinigung gehören schließlich nicht nur der Erhalt und die Wiederansiedlung von gefährdeten Fischarten, sondern ebenso der Einsatz für andere Tierarten in und an den heimischen Gewässern. Und dazu zählt auch der Edelkrebs, der noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts nahezu alle größeren Bäche und Flüsse im Weser-Ems-Gebiet besiedelte und dabei eine wichtige Aufgabe beim Erhalt des ökologischen Gleichgewichts der Gewässer übernahm.

Mit dem Auftreten der Krebspest in Mitteleuropa kam es jedoch zum Massensterben der Edelkrebse. In dem Zuge wurden auch die Bestände in Niedersachsen weitgehend ausgelöscht. Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass sich eine Population von Edelkrebsen aus dem Emsgebiet in einem geschlossenen Gewässer in der Nähe der Stadt Hamm, Nordrhein-Westfalen, bis heute erhalten konnte. Von genau diesem Stamm von Edelkrebsen konnten die 174 Exemplare entnommen werden, um ihnen in der Teichanlage nahe der Ems eine neue Heimat zu geben. Beim Fang der Krebse waren Siegfried Kuss und Wilfried Schmidt vom SFV Hamm behilflich. Begleitet wurde die Aktion vom Carsten Burk vom Biologiebüro Burk.

Dass für den Anfang des Wiederansiedlungsprojektes die Teichanlage in Weener ausgewählt wurde, ist kein Zufall. Denn für den Beginn der Maßnahme ist ein isoliertes, unbelastetes und nährstoffarmes Gewässer von großer Bedeutung. Wichtig für die Wahl des Gewässers ist außerdem, dass es frei ist von anderen Krebsarten, die als Überträger der Krebspest eine Gefahr darstellen könnten. Nach genauer Untersuchung der Teichanlage und umliegender Gewässer kann das Vorkommen anderer Krebsarten ausgeschlossen werden. Dem Erhalt der seltenen Wasserbewohner kommt es dabei entgegen, dass die Umzäunung der Anlage einen Schutz vor Unbefugten bildet.

Für den Standort Weener spricht schließlich der Umstand, dass die vorhandenen Gebäude auf dem Gelände die idealen Möglichkeiten zur Unterbringung eines Labors mit dem dazugehörigen Equipment bieten. Die Gebäude sind auch für die zeitweise Unterbringung von wissenschaftlichen Mitarbeitern geeignet, die damit das Wiederansiedlungsprojekt mit den erforderlichen Untersuchungen ohne Unterbrechungen begleiten können. Der Standort Weener erfüllt somit nicht nur die Lebensraumansprüche des Edelkrebses, er bietet auch die Möglichkeit, eine gezielte Nachzucht und Forschung zu betreiben.

Der Präsident des Sportfischerverbandes Weser-Ems, Bernhard Pieper, hat es sich nicht nehmen lassen, bei Aussetzen der ersten Edelkrebse persönlich dabei zu sein. Er ist davon überzeugt, den optimalen Standort für die Rückkehr des Krebses gefunden zu haben:

„Für uns ist es ein Glücksfall, in Weener ein ideales Gelände gefunden zu haben, auf dem wir den Edelkrebs wieder ansiedeln können. Besonders erfreulich ist dabei, dass der Eigentümer, Wilhelm Schulte, das Grundstück in einer lobenswerten Kooperation kostenlos zur Verfügung gestellt hat.“

Auch von Seiten des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde das Projekt ausgesprochen positiv aufgenommen. In einer Stellungnahme heißt es: „Aus hiesiger Sicht würde es sehr begrüßt, wenn der Landesfischereiverband Weser-Ems e.V. ein Artenschutzprogramm für Edelkrebse an dem Teich in Diele etablieren würde, da es in der gesamten Region keine Edelkrebsbestände mehr gibt.“

Das längerfristige Ziel des Edelkrebsprojektes besteht nicht nur darin, die ausgestorbene Art in der ausgewählten Teichanlage wieder heimisch zu machen. Bei erfolgreichem Verlauf der Wiederansiedlung soll die Krebspopulation am Standort in Weener als Spenderpopulation für die Begründung neuer Edelkrebsbestände in weiteren potenziell geeigneten Gewässer in Niedersachsen dienen. Dadurch könnte ein wesentlicher Beitrag zum Artenschutz und zur Sicherung der biologischen Vielfalt geleistet werden.

Auch der hauptamtliche Biologe des Landesfischereiverbandes Weser-Ems, Dr. Jens Salva, der sich lange für die Umsetzung des Projektes eingesetzt hat, zeigt sich optimistisch angesichts der Ankunft der Edelkrebse: „Dieses Projekt bietet eine einmalige Chance, eine in weiten Teilen Niedersachsen ausgestorbene Art wieder in ausgewählten Gewässern anzusiedeln.“

 

Hintergrund

Der Edelkrebs oder Europäische Flusskrebs (Astacus astacus) ist der größte unter den in Europa heimischen Krebsarten und bevölkerte bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch nahezu alle größeren Bäche und Flüsse in Weser-Ems. Er kann 15 bis 20 Jahre alt werden und erreicht Längen von bis zu 20 Zentimeter.

Infolge der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa auftretenden Krebspest (Erreger ist der Eipilz Aphanomyces astaci) kam es schnell zu einem fortschreitenden Massensterben des Edelkrebses, das zur weitgehenden Ausrottung der Art in weiten Teilen Europas führte. In Mitteleuropa lebt der Edelkrebs heute nur noch in einzelnen Inselbiotopen.

Die Krebspest ist unheilbar und endet mit dem Tod der infizierten Edelkrebse. Zur Ausbreitung der Krebspest in Europa haben maßgeblich Besatzmaßnahmen mit amerikanischen Krebsen beigetragen. Die amerikanischen Flusskrebse sind Überträger der Krebspest. Sie selbst erkranken jedoch nicht daran.

Flusskrebse sind ein bedeutender Bestandteil des Ökosystems. Sie sorgen für ein stabiles Gleichgewicht in den Gewässern. Süßwasserkrebse ernähren sich überwiegend von Pflanzen oder abgestorbenem organischem Material wie z.B. Laub, nehmen aber ebenfalls gerne Insekten, Schnecken oder tote Fische auf, und spielen damit eine wichtige Rolle bei der Gewässerreinigung. Sie selbst werden von Fischen, vor allem Raubfischen, und Wasservögeln gefressen.

In den letzten Jahrzehnten gibt es in verschiedenen Bundesländern und auch in europäischen Nachbarstaaten zunehmend Artenschutzprojekte die auf die Erhaltung der Art durch eine Wiederbesiedlung geeigneter Gewässer abzielen.

 

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