Multiresistente Keime in niedersächsischen Gewässern

Eine Reportage der NDR Sendung Panorama über gefährliche Keime in Bächen, Flüssen und See erregt Besorgnis. Proben aus zwölf Gewässern, unter anderem dem Zwischenahner Meer und der Thülsfelder Talsperre, zeigten, dass sich in allen Gewässern multiresistente Erreger befinden, also Keime, gegen die viele Antibiotika nicht mehr wirken.

Zwar war schon vor der Untersuchung klar, dass Antibiotika-resistente Erreger in der Umwelt zu finden sind und sich dort ausbreiten können. Wie stark Gewässer belastet sind, war allerdings weitgehend unbekannt, da es bislang keine systematischen Kontrollen auf solche Erreger gab. In welchem Umfang die Keime in den Gewässern vorhanden sind, hat die beteiligten Forscher überrascht. Niemand hatte die Keime in dieser Vielfalt erwartet.

Der Antibiotika-Experte Dr. Tim Eckmanns vom Robert-Koch-Institut nennt das Ergebnis „wirklich alarmierend" und stellt fest: „Die Erreger sind anscheinend in der Umwelt angekommen und das in einem Ausmaß, das mich überrascht.“

Zu der Gefahr durch die Keime heißt es, dass sie grundsätzlich ein Risiko darstellen, dass jedoch noch weitgehend unklar sei, wie hoch die Gesundheitsgefahr durch solche Erreger in der Umwelt zum Beispiel an belasteten Badeseen sei.

Eine Frage, die sich besonders den Angler stellt, zielt auf das Risiko beim Verzehr von Fischen aus den mit multiresistenten Keimen belasteten Gewässern. Allerdings lässt sich diese Frage nicht ohne weiteres beantworten, da es auch hier an zuverlässigen Untersuchungen fehlt.

Auf Anfrage beim Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) wurde uns erklärt:

„Hier liegen über das Vorkommen multiresistenter Keime in Fischen, die als Lebensmittel in Verkehr gebracht werden, keine Erkenntnisse vor. Auf der Basis des EU- und des nationalen Lebensmittelrechts sind entsprechende Untersuchungen nicht vorgesehen. 

Der Nachweis von multiresistenten Keimen in Binnengewässern in Niedersachsen ist Anlass für das Landwirtschaftsministerium zu prüfen, ob mit einer Belastung der essbaren Anteile von Süßwasserfischen zu rechnen ist und entsprechende Untersuchungen zu veranlassen“.

Vom Bundesamt für Risikobewertung (BfR) konnte bislang keine Stellungnahme erlangt werden. Beim Konsum von Fleisch, das mit multiresistenten Keimen belastet sein könnte, empfiehlt das BfR eine Zubereitung bei 70 Grad für zwei Minuten. Dabei sterben die Keime. Schneidbretter und Messer sollten nach Gebrauch sofort gründlich gereinigt werden, damit keine anderen Lebensmittel mit den Bakterien in Berührung kommen.

 

 

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